Während meine Frau sehr gerne Biografien und vor allem biografische Romane liest, habe ich bislang einen weiten Bogen um diese Art Lektüre gemacht. Das änderte sich, als wir kürzlich Elisa Jakob auf einem Wochenend-Seminar kennenlernen durften. Ihre begeisternden Berichte über ihre Arbeit machten mich neugierig: Ob ihr Buch auch so fesselnd geschrieben ist? Also lasen meine Frau und ich – unabhängig voneinander – „Die Mutter der Berggorillas“ von Elisa Jakob aus der Piper-Reihe „Bedeutende Frauen, die die Welt verändern“. Um es vorweg zu nehmen: Wir haben es beide nicht einen Auenblick lang bereut!
In eindrücklichen Episoden, authentisch wirkenden Dialogen und inneren Monologen wird Dian Fossey – sie ist „Die Mutter der Berggorillas“ – lebendig. Keine dröge Aufzählung von toten Daten, sondern geschickt eingewobene Rückblicke lassen Fosseys Entwicklung Schritt für Schritt miterleben. Das Buch vermischt gekonnt die verschiedenen Zeitebenen und lässt es dadurch in keiner Zeile langweilig werden. Elisa Jakob versetzt die Leser*innen förmlich in die Regenwald-Bergwelt Afrikas, so plastisch schildert sie die Gegend. Fast meint man, gemeinsam mit Dian Fossey zu Fuß und schweißgebadet oder regengetränkt unterwegs zu sein. Vor dem inneren Auge erscheint die junge Dian Fossey, tauchen plötzlich die Berggorillas aus dem Nebel auf. Ihre Zuneigung zu den Tieren, ihr Verständnis für die grandiosen Menschenaffen übertragen sich. Ihre zunehmende Radikalität, ihre vermehrt extremistischen Handlungen zum Schutze „ihrer“ Tiere werden nachvollziehbar, werden aus ihrer Sicht verständlich. Selbst die historisch nicht nachweisbaren Geschichten, die Elisa Jakob en passant in ihren Roman einwebt, fügen sich in das Bild von Dian Fossey ein, könnten tatsächlich so geschehen sein. Aber auch die Gegenposition, die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung nach Siedlungs- und Weideland, nach Überlebenschancen, kommen engagiert zu Wort. Das dramatische Ende von Dian Fossey erscheint in diesem Licht nicht nur als vorhersehbar, sondern auch als unvermeidbar.
Elisa Jakob betreibt einerseits keine Heldin-Verehrung und andererseits keine Verurteilung der drastischen Maßnahmen Dian Fosseys. Die Autorin vermittelt beide Seiten und überlässt es den Leser*innen selber, sich der einen oder anderen Auffassung zuzuneigen. Die Frage, wie weit einzelne Personen zum Schutz der Umwelt gehen dürfen, ist ja auch heute noch aktuell – Stichwort „Klimakleber“. Und das verleiht dem Buch eine weitere, zeitgemäße Note. Aber auch ohne diesen aktuellen Bezug ist das Buch absolut lesenswert. Elisa Jakob entführt sprachgewandt auf 420 Seiten mitten in die faszinierende Welt Afrikas und in das ebenso schillernde Leben von Dian Fossey. Und so warten wir voller Vorfreude auf ihr nächstes Buch über Queen Victoria.

Rezension zu „Die Mutter der Berggorillas“ auf Amazon
– Autor der Rezension: Olaf Hinrichsen, 16.11.2025